CD-Aufnahme mit Werken für Viola d'amore aus Dresdner Handschriften
Aufnahmeort Großes Schloss Blankenburg im Harz

Historische Streichinstrumente, interessante Handschriften und ein verfallenes Schloss

 

Die Viola d'amore – ein Juwel der historischen Streichinstrumente

Die Musik für Viola d'amore ist in ihrer Beschaffenheit sicherlich keine der großartigsten Musikschöpfungen der Musikgeschichte. Die Instrumente werden meistens im Akkord der Grundtonart der Komposition gestimmt. Durch die mitschwingenden Resonanzsaiten ist der schnelle Wechsel von interessanten Harmonien nur bedingt möglich. Um unnötiges Verstimmen der Instrumente während eines Konzertes zu vermeiden, bevorzugt man als Spieler Werke in ähnlichen Tonarten. Zitat von Leopold Mozart: „Dieses Instrument leidet viele Verstimmungen...“

 

Harmonie im Sinne von Abwechslung und Überraschung, von Spannung zur Entspannung ist die eine Seite. Aber Harmonie im eigentlichen Sinne des Wortes kann auch zum Wohlfühlen, als angenehme Zeit, als das, was man „wie im Himmel“ bezeichnet, verstanden werden, sozusagen die vollkommene Harmonie. Eine Viola d'amore kann diesen Zustand auslösen. Alle Saiten sind im wohlklingenden Akkord gestimmt. Dadurch entstehen wiederum neue Obertöne und klingen noch zusätzlich zu den ohnehin schon mitschwingenden Resonanzsaiten mit. Diese angenehme Klangwelt war wohl auch der Ausschlag, dem Instrument den Namen Viola d'amore zu geben. Vor allem die Komponisten, die selbst die d'amore spielten, versuchten mit den Möglichkeiten dieser Klangwelt zu experimentieren. In den langsamen Sätzen können sich die Klänge gut entfalten, aber auch in schnelleren Passagen und vor allem im Akkordspiel klingen diese Instrumente ganz anders als eine normal gestimmte Geige oder Bratsche. Wenn man sich darauf einlässt, sowohl als Spieler als auch als Hörer, dann vermisst man die fehlenden Harmonieausschweifungen oder anderes, was sonst zu einer guten Komposition gehört, gar nicht. Man fällt vielmehr in diese andere Welt hinein und genießt wie bei einem Wellnesstag im Thermalbad.

 

Schon Leopold Mozart lobte die zarten Klänge, als er schrieb, dass die Viola d'amore in der Abendstille am besten klänge. Man kann mit den Instrumenten z.B. in Akkorden auch sehr große Klänge erzeugen, aber es sind vor allem die leisen Töne, die einen anrühren und verzaubern.

 

Vom Wohlklang dieser Instrumente wurde bereits gesprochen. Jeder Instrumentenbauer legt aber auch besonderes Augenmerk auf das äußere Erscheinungsbild einer Viola d'amore. Es ist eine Herausforderung, nicht nur die 7 Saiten, sondern auch noch die 7 Resonanzsaiten in einem Wirbelkasten unterzubringen. Der im Verhältnis zum Körper zu lange Hals gab Inspiration, ähnlich wie bei der Gambenfamilie, das Ende des Halses mit einem besonderen Kopf zu verzieren. Vielleicht war es aber auch der Wunsch der „Liebhaber“, dem besonderen Instrument auch eine außergewöhnliche äußere Form zu geben. Und wenn schon Liebhaberei, dann aber auch richtig für Aug und Ohr. Unsere eigenen Instrumente haben jeweils sehr verschiedenen Köpfe: das ältere, originale Instrument schmückt ein frecher (B)engel mit Pausbacken und kleinen Flügeln. Das neuere Instrument hat einen Pantherkopf mit gefährlichen weißen Zähnen. Es ist eine Kopie nach einem Modell aus Augsburg, gebaut 1994 von Bastian Muthesius aus Berlin.

 

Es gibt sehr selten die Möglichkeit, diese Instrumente im Konzert zu hören. Wir möchten mit einer CD-Aufnahme von Kompositionen für 2 Violen d'amore und Basso continuo den Liebhaberkreis der Viola d'amore vergrößern.

 

Interessante Handschriften aus Dresden

Die von uns ausgewählten Werke stammen alle aus Dresdner Handschriften, die in der Dresdner Landesbibliothek überliefert worden sind.

 

Die Namen der Komponisten, wie z.B. Franz Simon Schuchbauer und Wilhelm Ganspeck sind eher unbekannt. Von ihnen sind keine biografischen Informationen überliefert. Lediglich von Christian Pezold wissen wir, dass er Dresdner Hoforganist und Hofkammerkomponist war. Zeitgenossen beschreiben ihn als einen der bekanntesten Organisten, sowie als einen der angenehmsten Komponisten geistlicher Werke.

 

In den Handschriften aus Dresden gibt es interessante Eintragungen, die von keinem geringeren als dem berühmten Konzertmeister Johann Georg Pisendel stammen. Offenbar war auch er von diesem wohlklingenden und auch vom äußeren Anblick schön und aufwändig gestalteten Instrument beeindruckt. Viele der Stimmen sind von seiner Hand abgeschrieben oder verändert. Er fügte Verzierungen und Kadenzen dazu, so dass man sicher annehmen kann, dass er die Werke auch selbst aufgeführt hat.

 

Eine kleine Suite für Viola d'amore und B.c. stammt aus der Feder von Johann Peter Guzinger. Auch über sein Leben ist wenig bekannt. Um 1726 wird er als Kammermusikus des Bischofs von Eichstätt in Baiern erwähnt, wo er sich besonders durch sein Spiel auf der Grand Viole d’amour auszeichnete, für die er auch Kompositionen setzte. Wir haben eine Suite von ihm ausgewählt, weil in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel u.a. ein Concerto grosso à Violino principale, Violino primo e secondo, Fagott, 4 Trompeten, Timpani und Bc. zu finden ist, welches dem Herzoge von Braunschweig gewidmet ist.

Dem Durchleuchtigsten Fürsten undt Herrn, Herrn Ludwig Rudolphen Herzogen zu Braunschweig-Lüneburg... gewidmet von-, Eichstettischer Hoff und Cammer- Musicus.

Diese Widmung zeigt, dass Guzinger offensichtlich in irgendeiner Beziehung zum Hofe in Braunschweig und somit auch zu unserem Schloss in Blankenburg stand.

 

Das Große Schloss Blankenburg – ein vom Verfall bedrohtes Kulturdenkmal

Das wichtigste Kulturdenkmal unserer Stadt Blankenburg ist das Große Schloss, das sich als Wahrzeichen der Stadt von allen Seiten sichtbar über den Ort erhebt. Die barocke Schlossanlage, ehemals welfischer Fürstenbesitz, ist von historischer Bedeutung für eine ganze Region und hat mit seinem europäischen Repräsentationscharakter auch einen besonderen Stellenwert für die Entwicklung der Stadt. Erbauer des Schlosses und wichtigster Regent im 18. Jh. war Herzog und Fürst Ludwig Rudolph.

 

Wir fanden diesen Ort am geeignetsten für die Aufnahmen unserer Barockmusik. In so einem Schloss wird heute noch der Geist des 18. Jh. lebendig vermittelt. Unsere oder ähnliche Kammermusik wurde zur damaligen Zeit mit Sicherheit in den Sälen des Schlosses musiziert.

 

Leider konnte die Aufnahme wegen der extremen Witterung nicht im Großen Schloss stattfinden.

 

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Seite zuletzt geändert am: 30.10.2016, 18:28 Uhr - Verwaltung